Linden-Limmer

Im Westen der Landeshauptstadt Hannover befindet sich der Stadtbezirk Linden-Limmer. Über 43.000 Einwohner verteilen sich auf vier Stadtteile: Linden-Nord, Linden-Mitte, Linden-Süd und Limmer. Linden, häufig als größtes Dorf Preußens bezeichnet, wuchs im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einer Industriestadt heran. Mit dieser Entwicklung untrennbar verbunden ist der Name Egestorff: Johann Egestorff gründete anfangs des 19. Jahrhunderts die Kalkbrennereien am Lindener Berg, sein Sohn Georg Egestorff legte mit der Maschinenfabrik und Eisengießerei den Grundstein für die spätere Hanomag.1920 wurde die selbstständige Gemeinde, sehr zum Verdruss ihrer selbstbewussten Einwohner, in Hannover eingemeindet. Die Spuren dieses unfreundlichen Akts zeigen sich bis heute in der Redewendung „ich gehe nach Hannover hin“, wenn der Lindener eigentlich andeuten möchte, in die Stadt zu gehen.

Durch seine Nähe zur Universität und die günstigen Mieten bedingt, wurde besonders der Stadtteil Linden-Nord in den sechziger und siebziger Jahren für Studenten und Migranten attraktiv. Auch wenn gerade Linden-Mitte heute eher von bürgerlichen Schichten bewohnt wird, bleibt Linden von alternativen Milieus geprägt. Spötter bezeichnen den Stadtteil deshalb als „Kreuzberg Hannovers“. Das „Chez Heinz“, das Veranstaltungszentrum FAUST (Fabrikumnutzung und Stadtteilkultur) und das jährlich im August am Ihmeufer stattfindende „Fährmannsfest“ stehen für vielfältige Kultur. Auch ein umfangreiches gastronomisches Angebot, mit vielen spanischen Restaurants, sind typisch für Linden. Durch die zahlreichen, begehrten Altbauwohnungen steigen seit Jahren die Mieten, so dass auch in Linden das böse Wort von der Gentrifizierung die Runde macht.

Linden Nord: Warme Brüder und ein riesiger Betonklotz

Zwei Gebäude prägen die Silhouette von Linden Nord: Das im Volksmund als die „drei warmen Brüder“ bezeichnete Heizkraftwerk und – genau gegenüber – das Ihmezentrum. Gemeinsam ist beiden Bauwerken die Nähe zum Fluss Ihme und da hören auch die Gemeinsamkeiten auf. Während das nachts meist violett-rot illuminierte Kraftwerk ästhetisch anspricht, ist das Ihmezentrum eine graue Beton-Monstrosität, bei der der Plan leben und arbeiten unter einem Dach zu realisieren grandios gescheitert ist. Dem Ihmezentrum schöne Seiten abzugewinnen fällt also nicht leicht. Die Ansicht vom Fluss her ist reizvoll und aus den obersten Geschossen hat man bei gutem Wetter einen Blick bis zum Deister.

Über die Brücke raan nach Linden hin. Das Capitol rockt
Über die Brücke raan nach Linden hin. Das Capitol rockt  

Die Lebensader des Viertels ist die Limmerstraße. Viele Cafés, kleine Geschäfte und Restaurants reihen sich zu beiden Seiten der Straße auf. Besonders auffällig: Linden-Nord verfügt über eine hohe Dichte an Kiosken, was neben der vierundzwanzigstündigen Versorgung der Bewohner mit Bier und bunten Tüten auch negative Aspekte zeigt. Mit „limmern“ bezeichnet der Volksmund neuerdings die Sitte von Kiosk zu Kiosk zu ziehen und sich bei jeder Station (zumeist) eine hannoversche Bierspezialität wie Herrenhäuser oder Lindener Spezial einzuverleiben. Besonders die Anwohner leiden unter dem stechenden Geruch, den der Harndrang der „Limmernden“ hinterlässt sowie die Lärmbelästigung zu später Stunde.

Linden-Mitte: Rund um den Lindener Marktplatz

Linden-Mitte wird von einem eher bürgerlichen Publikum geprägt. Zahlreiche sanierte Altbauten, rund um den Lindener Markt machen das Viertel zu einem begehrten Stadtteil mit entsprechenden Mieten. Spektakulär schön sind einige Straßenzüge, namentlich die Beethovenstraße. An der Brauhofstraße liegt mit der Schank- und Speisewirtschaft Rackebrandt das älteste Restaurant Lindens. Von hier geht die Straße „Am Lindener Berg“ ab, die wie der Name schon sagt, auf die höchste Erhebung in Hannover, den Lindener Berg führt, der mit 89 M. ü. NM nicht nur seinen Namen Lügen straft, sondern auch das ansonsten eher flache Profil Hannovers betont. Der Lindener Berg liegt zwischen Linden-Mitte und Linden-Süd. Hier befinden sich der Jazzclub, die Volkssternwarte auf dem Dach eines ehemaligen Wasserhochbehälters, ein Biergarten komplett mit dem ehemaligen Wartturm der Hannoverschen Landwehr von 1650 sowie dem Lindener Bergfriedhof, auf dem heute nicht mehr bestattet wird. Auf dem Friedhof steht der Küchengartenpavillon; bekannt ist der Gottesacker auch für die Scilla, die ab Anfang April den Boden mit einem Meer aus blauen Blüten bedeckt. Beliebt bei dem Lindener ist auch die grüne Lunge des Stadtteils, der Von-Alten-Garten in der Nähe des Lindener Marktes.  Hin zum Küchengarten, einem belebten Platz an der Grenze zu Linden-Nord ist das politische Kabarett tak in einem ehemaligen Schwimmbad untergebracht.

Impressionen von der Limmer Straße, eine der buntesten Einkaufsstraße Hannovers
Impressionen von der Limmer Straße, eine der buntesten Einkaufsstraße Hannovers
 

Linden-Süd: Spanischer Flair in Stadionnähe

In Linden-Süd leben viele ursprünglich aus Spanien zugezogene Menschen, was auch die hohe Dichte an vorzüglichen spanischen Restaurants erklärt. Das Stadtviertel besitzt noch am ehesten die Atmosphäre, die Linden mal als Arbeiter- und Industriestadt ausgemacht haben wird. Die Hanomag (heute Komatsu Hanomag GmbH) ist neben der Continental AG das Herz der hannoverschen Industrialisierung. Große Teile ihres Geländes stehen heute als Industriebrache leer, daneben haben sich auf dem Grundstück Fachhändler, die Polizei und die Universität Hannover angesiedelt. Heute produziert Komatsu Radlader und Mobilbagger. Die Fabrikgebäude sind heute noch imposante Zeugen des Industriezeitalters. Rechts und links flankieren die beiden „Hammermänner“ den Eingang zur Lohnhärterei, überdimensionierte Arbeiterfiguren im Stil der späten dreißiger Jahre. Direkt gegenüber des ehemaligen Niedersachsenstadions (heute HDI-Arena) liegt das Krankenhaus Siloah, eines der größten Krankenhäuser der Maximalversorgung Hannovers. Namensgeberin des Ahrberg-Viertel in der Nachbarschaft zur Hanomag ist die ehemalige Wurstfabrik Ahrberg, deren Ziegelbauten das Stadtviertel prägen. Von Theodor Lessing ist der Ausspruch des berüchtigten Serienmörders Fritz Haarmann überliefert, das seine Wurstwaren „besser als die von Ahrberg“ wären.

Limmer: Dörfliche Idylle in der Großstadt Hannover

Limmer liegt zwischen den Flüssen Leine und Fösse und wurde um 1190 das erste Mal urkundlich erwähnt. Das Dorf wurde 1909 in Linden eingemeindet. Traurige Bekanntheit erlangte die Gemeinde, weil hier das KZ-Außenlager Hannover-Limmer des KZ Neuengamme 1944 bis 1945 stand. Heute bezieht der Stadtteil durch seine Lage an zwei Flüssen sowie am Stichkanal Limmer seine Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort. Das ehemalige Werk Limmer der Continental AG wurde 1999 aufgegeben, die Gebäude 2009 zum großen Teil abgerissen. Auf dem Gelände entsteht in den nächsten Jahren die „Wasserstadt“. Bis zu 5000 Menschen sollen nach den Plänen der Wasserstadt Limmer Projektentwicklung GmbH auf der Industriebrache leben und arbeiten. Hier will die Gesellschaft Einzelhandel, Dienstleister, Unternehmen, Arztpraxen, Studentenwohnheime, Gastronomie, ein Gymnasium und Sporteinrichtungen auf insgesamt 22 ha ansiedeln. Die Umnutzung des Gebiets ist nicht unumstritten; so kritisiert die Bürgerinitiative Wasserstadt Limmer die extreme Verdichtung durch bis zu achtgeschossige Wohnhäuser.


Die Karte zeigt die Leibniz-Stadt Hannover. Abgedunkelt ist der Stadtbezirk Linden-Limmer.
Die Karte zeigt die Leibniz-Stadt Hannover. Abgedunkelt ist der Stadtbezirk Linden-Limmer.

Weitere Eindrücke zu "Linden-Limmer":

Das Ihme-Zentrum ist nicht das schönste Gebäude Hannovers, hat aber beeindruckende Seiten
Das Ihme-Zentrum ist nicht das schönste Gebäude Hannovers, hat aber beeindruckende Seiten
Das tak am Küchengarten, Linden-Mitte. Bis 1987 ein städtisches Bad, seitdem eine der wichtigsten Bühnen für Kleinkunst und politisches Kabarett
Das tak am Küchengarten, Linden-Mitte. Bis 1987 ein städtisches Bad, seitdem eine der wichtigsten Bühnen für Kleinkunst und politisches Kabarett
Die drei warmen Brüder in Linden Nord hat man auch schon schöner gesehen. Vorzugsweise nachts, wenn die Türme des Heizkraftwerks illuminiert werden
Die drei warmen Brüder in Linden Nord hat man auch schon schöner gesehen. Vorzugsweise nachts, wenn die Türme des Heizkraftwerks illuminiert werden
Haben wir bunt gesagt? Die Häuser an der Limmer Straße sind knallbunt
Haben wir bunt gesagt? Die Häuser an der Limmer Straße sind knallbunt


Artikel "Linden-Limmer" (Artikel-ID: 131) wurde geschrieben am 3.9.2012, zuletzt geändert am 15.7.2014, Autor: Peter Rosenstein