Vahrenwald-List

Der Stadtbezirk Vahrenwald-List stellt mit ca. 68.000 Einwohnern den bevölkerungsreichsten Bezirk in der Landeshauptstadt Hannover. Im Nordosten Hannovers gelegen grenzt er an die Stadtteile Mitte, Oststadt, Zoo im Süden, Großbuchholz im Osten, Bothfeld, Sahlkamp, Vahrenheide und Brink-Hafen im Norden sowie Hainholz und Nordstadt im Osten. Bemerkenswerte Landmarken sind außerdem der Mittellandkanal im Norden der List sowie der Stadtwald Eilenriede, der die List u.a. vom Zooviertel trennt. Verkehrstechnisch bemerkenswert sind die großen Ausfallstraßen Podbielskistraße, die nach Nordosten und Vahrenwalder Straße, die nach Norden führen.

List – vom Bauerndorf zum Bürgerviertel

Der Name „List“ stammt wahrscheinlich aus dem Niederdeutschen und bedeutet soviel wie Ort am Waldrand. Charakteristisch für die List sind die vielen, im Stil der Gründerzeit und des Jugendstils ornamentierten Häuser. Den Stadtteil prägen auch zahlreiche Grünflächen wie die Eilenriede sowie die Parks am Bonifatiusplatz und Welfenplatz. Mit der Lister Meile besitzt die List eine Einkaufsstraße, die das Viertel mit der Innenstadt verbindet und am Weißekreuzplatz in Bahnhofsnähe endet. Hier haben sich viele Fachgeschäfte, Boutiquen und  Einzelhändler angesiedelt. Durch den hohen Freizeitwert und die zentrale Lage nahe der Innenstadt ist die List ein beliebter Stadtteil, was sich auch bei den Mieten bemerkbar macht, die signifikant über der Ortsvergleichsmiete liegen.

Das dicke Kind freut sich über Leibniz-Kekse: Wandmalerei in der List
Das dicke Kind freut sich über Leibniz-Kekse: Wandmalerei in der List
 

Der Aufstieg zu einem bürgerlichen Viertel datiert aus dem 19. Jahrhundert und wurde durch die Ansiedlung zahlreicher namhafter Unternehmen ausgelöst. Vorher jedoch – bis 1891 – war die List ein eigenständiges Dorf, im Jahr 1304 erstmals urkundlich erwähnt. Die Ausdehnung der Stadt Hannover und die Expansion der Unternehmen ließen Stadt und Dorf verschmelzen. Zu den ansässigen Firmen zählten unter anderen: Keksfabrik Bahlsen mit ihrem spektakulären Verwaltungsgebäude an der Podbielskistraße, die Chemiefabrik de Haën (heute ansässig in Seelze), die hier Salze und Oxide herstellte, die Deutsche Grammophon der Brüder Emil und Josef Berliner sowie die Schreibgerätewerke Pelikan und Geha. Neben Unternehmerpersönlichkeiten wie Hermann Bahlsen und Fritz Beindorff, der aus der Farben- und Tintenfabrik Günther Wagner die Weltmarke „Pelikan“ formte, ist vor allem Emil Berliner erwähnenswert. Seinem Erfindungsgeist hat die Welt die Schallplatte zu verdanken.

Vahrenwald – von Gummireifen zu preußischen Dragonern

Obwohl auch im Stadtteil Vahrenwald ein bedeutendes Kapitel hannoverscher Industriegeschichte geschrieben wurde, begann die Geschichte des Viertels als Dorf nahe des „Groten Waldes“, daher stammt auch der Name. Erstmals erwähnt wurde die Gemeinde 1183. Eine erste Bedeutung erlangte Vahrenwald durch seine Lage an einer Pilgerstraße, die von Christen aus Nordeuropa zur Pilgerfahrt nach Rom genutzt wurde. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb die dörfliche Idylle erhalten. Dann allerdings änderte der Stadtteil sein Erscheinungsbild beträchtlich. Auslöser war die preußische Okkupation Hannovers 1866 und die beginnende Industrialisierung. Der Staat Preußen verlegte in den 70er Jahren die Ausbildung seiner Kavallerie nach Hannover. In Vahrenwald entstanden zahlreiche Kasernen, darunter die preußische Kavalleriereitschule (später in Heeres-Reitschule umbenannt). Zu dem Ensemble am heutigen Vahrenwalder Park gehörte auch die Königliche Reithalle, älteste Reitsporthalle der Welt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Areal bis 1994 von der Deutschen Bahn als Betriebswerk genutzt. Nachdem das Unternehmen die Betriebsstätte aufgegeben hatte, verfielen die Ziegelbauten. Heute sind in der Reithalle eine Werbeagentur und ein Veranstaltungszentrum untergebracht.

Das Continentalwerk in Vahrenwald: Hier gibt man seit 1912 Gummi
Das Continentalwerk in Vahrenwald: Hier gibt man seit 1912 Gummi
 

Ebenfalls nachhaltig geprägt wurde der Stadtteil Vahrenwald von der hier ansässigen Continental AG. Der Automobilzulieferer baute hier am südlichen Ende der Vahrenwalder Straße sein monumentales Verwaltungsgebäude (seit 2012 Haus der Wirtschaftförderung der Region Hannover) und eine große Produktionsstätte für Gummireifen (heute ein Betrieb der Conti Tech).


Die Karte zeigt die Leibniz-Stadt Hannover. Abgedunkelt ist der Stadtbezirk Vahrenwald-List.
Die Karte zeigt die Leibniz-Stadt Hannover. Abgedunkelt ist der Stadtbezirk Vahrenwald-List.

Weitere Eindrücke zu "Vahrenwald-List":

Die geschwungene Backsteinfassade des Continentalwerks in Vahrenwald
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Typischer Straßenzug in Vahrenwald: Verklinkerte Fassaden aus den 30er Jahren bestimmen das Bild
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Brunnen im Vahrenwalder Park
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Blick aus dem Vahrenwalder Park auf die katholische (!) St. Joseph-Kirche
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Das dicke Kind freut sich über Leibniz-Kekse: Wandmalerei in der List
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Detail des Hauptsitzes von Bahlsen an der Podbielskistraße
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Der berühmteste Keks Hannovers. Vom Krümelmonster 2013 gestohlen, an den lieben Günnie zurückgegeben
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Typische Jugendstilhäuser in der List
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Blick auf das Treibhaus vom Podbi-Park aus gesehen
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Das Herz der List, der Lister Platz im Hintergrund
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Von frischem Fisch bis zum guten Wein: Die Lister Meile bietet vor allem für Kulinariker viel
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Die Türmchen der Polizeistation am Welfenplatz. Hier stehen die sehenswerten Ställe der berittenen Polizei
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Artikel "Vahrenwald-List" (Artikel-ID: 252) wurde geschrieben am 26.5.2014, zuletzt geändert am 15.7.2014, Autor: Peter Rosenstein