Stadtfriedhof Seelhorst

Die meisten Menschen verbinden mit Friedhöfen Trauer, Einsamkeit und viele negative Gedanken. Doch kann es auch ein Ort der Begegnung und des Austausches sein. Wenn ein Friedhof, wie der Seelhorster Stadtfriedhof, den Tod und die Trauer mit architektonischer Schönheit verbindet, wird er ein Ort der Ruhe, des in sich Kehrens und fordert geradezu auf, die eigenen Gedanken zu sortieren. Dann ist es ein sehr schöner Ort. Gleichzeitig fordert dieser Friedhof, sich mit der jüngeren Geschichte der Leibniz-Stadt Hannover auseinanderzusetzten und das macht ihn so wichtig.

Im Jahre 1920 wurde im Stadtteil Seelhorst, der mit ca. 68 ha größte Friedhof Hannovers errichtet, nachdem die bis dahin eigenständigen Gemeinden Wülfel und Döhren der Leibniz-Stadt Hannover eingemeindet wurden. Die bestehenden Dorffriedhöfe wurden dabei in die Planung und die Umsetzung einbezogen.

Übersichtsplan des Stadtfriedhofs Seelhorst
Übersichtsplan des Stadtfriedhofs Seelhorst

Wie bei den Stadtfriedhöfen Engesohde und Stöcken, ist der Seelhorster Stadtfriedhof architektonisch als Park gestaltet.

Lindenalle auf dem Seelhorster Stadtfriedhof Copyright: Dieter Bohlen
Lindenalle auf dem Seelhorster Stadtfriedhof Copyright: Dieter Bohlen
 

Ursprünglich lag der Haupteingang am Hohen Weg und ist gekennzeichnet durch zwei Torgebäude, deren Durchlass von der Straße direkt auf die Lindenallee zuführt.

Eingang am Hohen Weg
Eingang am Hohen Weg
 

Mittig auf dem Friedhofgelände liegen die, von Konrad Wittmann entworfenen, Hochgebäude welche aus zwei Kapellen, dem Betriebsgebäude und dem Krematorium bestehen und der Zeit typisch im sogenannten Backsteinexpressionismus errichtet wurden. Ein Fischgrätenmuster bestimmt hier die Hauptfassade des Gebäudekomplexes, an dessen Seiten giebelständige Anbauten mit Rundbögen stehen.

Die Kapelle auf dem Seelhorster Stadtfriedhof
Die Kapelle auf dem Seelhorster Stadtfriedhof
 

Verglichen mit den beiden anderen Stadtfriedhöfen der Leibniz-Stadt Hannover, verfügt der Seelhorster Friedhof nur über wenige Grabstätten berühmter Personen. Dennoch ist er in seiner Art einzigartig in Hannover und das macht seine Charme aus. Das große Wasserbecken, sowie die geometrisch angeordneten Alleen laden einfach zum Verweilen und Spazieren ein.

Das große Wasserbecken zentral der Achse des Seelhorster Stadtfriedhofs. Copyright: Dieter Bohlen
Das große Wasserbecken zentral der Achse des Seelhorster Stadtfriedhofs. Copyright: Dieter Bohlen
 

Lindenallee. Copyright: Dieter Bohlen
Lindenallee. Copyright: Dieter Bohlen
 

In den 1960ern wurde der Friedhof erweitert und erhielt einen neuen Eingang an der Garkenburgstraße. Gleichzeitig erhielt er auch einen Straßenbahnanschluss, Parkplätze und einen großen Eingangsbereich. Zwei zusätzliche Ausbauten in Richtung Peiner Straße, brachten ihn auf die aktuelle Größe.

Der alte Haupteingang am Hohen Weg. Copyright: Dieter Bohlen
Der alte Haupteingang am Hohen Weg. Copyright: Dieter Bohlen

Als Besonderheiten des Seelhorster Friedhofs in der Leibniz-Stadt Hannover sind die sogenannten Sonderanlagen des Friedhofs zu sehen.
Eine von ihnen besteht aus drei Abteilungen von Kriegsgräbern, deren Umbettung erst nach dem zweiten Weltkrieg stattfand, darunter etwa 2/3 Tote anderer Nationalität.
Zusätzlich wurde in den 1950ern, eine Gedenksäule zu Ehren der Opfer der beiden Weltkriege errichtet.

Gedenksäule für die Opfer der Weltkriege
Gedenksäule für die Opfer der Weltkriege

Ein weitere Sonderanlage befindet sich im nordöstlich gelegenen Teil des Seelhorster Stadtfriedhof. Hier ist eine Gedenkstätte für etwa 300 verstorbene Säuglinge und Kleinkinder entstanden, deren Mütter Zwangsarbeiterinnen waren und in Godshorn bis zur Entbindung untergebracht wurden. Die Kinder verstarben in Folge der Mangelversorgung.

Gedenkstätte für die Säuglinge der Zwangsarbeiterinnen. : Copyright: Dieter Bohlen
Gedenkstätte für die Säuglinge der Zwangsarbeiterinnen. : Copyright: Dieter Bohlen
 

In den 1950ern, wurden aus dem mittleren und südlichen Niedersachsen 417 niederländische Kriegsopfer auf den Seelhorster Stadtfriedhof überführt. An dieser Stelle entstand 1962 eine besondere Gedenkstätte, die auch die 1.900 Toten aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen einbezog.

Niederländische Ehrenanlage für die Opfer der Konzentrationslager und Zwangsarbeit. Copyright: Dieter Bohlen
Niederländische Ehrenanlage für die Opfer der Konzentrationslager und Zwangsarbeit. Copyright: Dieter Bohlen
 

Wie in allen andern Städten Deutschlands, und da bildet auch die Leibniz-Stadt Hannover keine Ausnahme, kam es zum Ende des Krieges zu den sogenannten Endphase Verbrechen.  Meist sowjetische Gefangene aus der KZ Außenstelle Ahlem wurden am 06.04.1945 auf den Seelhorster Stadtfriedhof zusammengetrieben und von Angehörigen der Gestapo-Dienststelle mit Kopfschuss getötet. Insgesamt zählte man 154 Opfer, deren Identität zum größten Teil bis heute nicht geklärt ist. Bei der Aushebung des Massengrabes am 02.05.1945 wurden insgesamt 526 Tote entdeckt. 386 von ihnen wurden zum Nordufer des Maschsees verbracht und dort bestattet.

Mahnmal für die Opfer des Nazi-Terrors. Copyright: Dieter Bohlen
Mahnmal für die Opfer des Nazi-Terrors. Copyright: Dieter Bohlen


 


Artikel "Stadtfriedhof Seelhorst" (Artikel-ID: 372) wurde geschrieben am 2.7.2014, zuletzt geändert am 17.7.2014, Autor: Dieter Bohlen