Karl Jatho

(3. Februar 1873 in Hannover– 8. Dezember 1933 in Hannover)

Karl Jatho experimentierte mit innovativen Flugapparaten. Neben seinen weiteren „Hobbies“ Radsport und Hochradakrobatik arbeitete Karl Jatho seit 1892 bei der Hannoverschen Stadtverwaltung, seit 1901 als städtischer Beamter.

Der Gedenkstein an Karl Jatho (1933) steht jetzt vor dem Flughafenverwaltungsgebäude in Langenhagen
Der Gedenkstein an Karl Jatho (1933) steht jetzt vor dem Flughafenverwaltungsgebäude in Langenhagen
 

Erster Motorflieger der Welt

Jatho baute  zunächst Gleitflieger. Ab spätestens dem Jahr 1900 wandte er sich dem Bau motorisierter Flugzeuge zu.

In der Vahrenwalder Heide hatte Karl Jatho sich ein Flugfeld mit einer 180 Meter langen Startbahn und einen Hangar angelegt.  Er absolvierte am 18. August  1903 (also noch vor den Gebrüdern Wright) den ersten motorisierten Flug – nach seinen Angaben immerhin 18 Meter in 75 cm Höhe mit einem „Dreiflächer“ – einem Doppeldecker mit aufgesetztem Höhenruder.

Die Überlegenheit war auch technisch evident: Karl Jathos Motorflieger verfügte bereits über einen Pilotensitz und einen Sicherheitsgurt. Außerdem startete und landete das Flugzeug aus eigener Kraft auf festem (Gras) Untergrund. Die US-Konkurrenz war weit hinterher: deren Flieger mußte mangels Fahrwerk aus einer Startschiene  katapultiert werden, der Pilot lag auf dem Bauch. Auch die Landung konnte nur auf Sandflächen erfolgen. Jatho hat somit bereits 1903 Flugzeugkomponenten entwickelt und eingesetzt, die ihrer Zeit weit voraus waren.

Eine Gruppe engagierter Karl Jatho-Fans hat das Flugzeug von 1903 nach Originalplänen nachgebaut. Es ist jetzt Teil der Erlebnisausstellung Welt der Luftfahrt. http://www.karl-jatho-projekt.de/.

Kurzes Unternehmertum

Je nach Quelle sind wohl bis 1909 drei oder mehr Flugzeuge entstanden. Diese Erfahrungen wollte Karl Jatho in eine gemeinsam mit Partner gegründete Firma einbringen. Im November 1913 gründete Karl Jatho die Hannoverschen Flugzeugwerke GmbH, die jedoch bereits 1914 mangels (Heeres-)Aufträgen wieder schließen mußte. Auch eine von ihm gegründete Fliegerschule hatte  das gleiche Schicksal.

Gedenken an Karl Jatho

Vor dem damaligen Flughafen in Vahrenwald, steht ein 1933 eingeweihter Gedenkstein. Dieser wurde in Anwesenheit von Karl Jatho aus Anlasss des 30. Jahrestages seines Erstfluges enthüllt. Der Gedenkstein wurde 1952 vor das  Gebäude der Flugleitung am neu errichteten Flughafen Hannover-Langenhagen versetzt. Hier steht er bis heute und kündet von Hannovers Fliegerberühmtheit.

Zwischen Reiterstadion und Lister Bad befindet sich ein 2006 errichteter Gedenkstein an dieses historische Ereignis. Der Gedenkstein steht auf der Vahrenwalder Heide. Dort, wo heute Kleingärten sind, befand sich das Flugfeld Jathos.

Karl Jatho kam aus der hannoverschen Südstadt. Von 1902 bis 1904 wohnte er in der Tiestestraße 1, seit 1924 in der Geibelstraße 72. An beiden Häusern weisen Stadttafeln darauf hin.

Karl Jatho ist auf dem Stadtfriedhof Engesohde begraben. Sein Grabstein ziert die Inschrift: „1-Motorflieger der Welt“

Nach Karl Jatho wurde die Jathostrasse in Vahrenwald benannt. Außerdem gibt es die Karl-Jatho-Schule am Büssingweg in Hannover. Das General Aviation Terminal am Flughafen Hannover trägt ebenfalls stolz den großen Namen.




Artikel "Karl Jatho" (Artikel-ID: 374) wurde geschrieben am 8.7.2014, zuletzt geändert am 16.7.2014, Autor: Ingo Schreiber